Google: sex beim ersten date was denken männer

Google: sex beim ersten date was denken männer

Ich schreibe ja meist aus aktuellem Anlass, verbunden mit etwas Abstand, um die richtigen Gedanken zu formulieren. So wie neulich …

Gerade mal wieder ein unglückliches erstes Tinder-Date erlebt. Es war ein Mittwoch und es begann auf mehreren Ebenen vielversprechend und endete auch so: „Sehen wir uns dann am Samstag?“ fragte er. Doch scheinbar ist bei ihm zwischen Mittwoch und Samstag irgendetwas passiert, das er dann doch lieber feiern gegangen ist. Auch ok, dachte ich mir. An diesem besagten Samstag hat er dann ein Girl kennengelernt, in das er sich Hals über Kopf verliebt hat. Beziehung und Liebe und so. Wir kennen das…. Mitten ins Herz. Wie wundervoll. Und nun frage ich mich: warum nicht ich? Warum hat er sich nicht in mich verliebt? Die Pragmatiker unter euch werden sagen: „Ja, es hat halt einfach nicht gefunkt bei ihm, das kann man ja nicht steuern.“ Richtig. Trotzdem hat mein Hirn noch weitere, weniger einfache Erklärungen gesucht. Wir kennen das. Ich habe es perfektioniert, einfachen Dinge viele weitere Bedeutungsschichten hinzuzufügen, so dass sie am Ende hochkomplex und keineswegs verständlicher sind. So auch in diesem Fall …

Meine steile These: Wenn eine Frau im Kennenlern-Prozess recht zeitnah mit einem Mann ins Bett geht, dann verschwindet auch mit dem Abstreifen des Gummis (benutzt Kondome!) das tiefergehende, ernsthafte Interesse (und somit auch die Möglichkeit des Verlieben) des Mannes.

Jetzt mal im Ernst, Männer: könnt ihr euch nicht mehr verlieben, wenn der Reiz des Körperlichen zu früh Erlösung findet? Ist es euer Wunsch nach Eroberung? Und was ist die Konsequenz? Muss ich nun Spielchen spielen? Das scheue Reh mit den großen Äuglein? Muss ich mich rar machen und züchtig nach Hause gehen, obwohl ich doch etwas ganz anderes will? Bisher habe ich da eher intuitiv nach meiner Lust gehandelt und weniger bis gar nicht darüber nachgedacht, was der Typ denn von mir denken könnte. Aber das scheint mir auch eines der Probleme: rutscht man als Frau dann automatisch in die „leicht-zu-haben-Schublade?“ Nur warum? Eine Frau, die sich ihrer Sexualität bewusst ist und offen mit ihr umgeht ist doch anziehend? So stell ich mir das auf jeden Fall aus Männersicht vor. Oder spielt uns da unsere Evolution einen Streich: Männer wollen ihre Gene flächendeckend verteilen, viel Nachwuchs mit vielen Frauen. Die Frau aber soll bitte nur das eigene Kind austragen, welcher Neandertaler-Mann hat schon Lust ein fremdes Balg durchzufüttern? Ist ja anstrengend das Jagen und das Überleben. Wer weiß, was Neandertaler-Frau so alleine in der Höhle macht, was wäre wenn sie sich mit einem anderen Mann die Zeit vertreibt? So eine Frau kann kein Girlfriend-Material sein. Diese Bitch! So platt und doch komplex der Gedanke. Ist es wirklich das?

Ich bin ja ein von Natur aus sehr neugieriger Mensch. Also hab ich gefragt. Freunde von mir. Bestätigt wurde meine These bisher nicht. Vielleicht werde ich hier schlauer?

Und scheinbar bin ich nicht die Erste, die sich das fragt. In Frauenzeitschriften und diversen Frauen-Foren ist das wohl ein großes Thema: „sex beim ersten date was denken männer“ ergab bei Google so einige Treffer. Cosmopolitan und Co. Es gibt sogar ein YouTube-Video. Ich habe auf jeden Fall keine Lust auf solche „Sex-erst-nach-dem-5.Date-dann-hat-er-auch-wirklich-Interesse-an-dir-ansonsten-bist-du-leicht-zu-haben“-Ratschläge und Verunsicherungen. Wer bestimmt denn überhaupt, was „leicht zu haben“ ist? Und warum wird dieses Thema offensichtlich auf die Sicht der Männer reduziert? Was denken denn Frauen über Männer, die „leicht zu haben“ sind? Ach, das führt zu weit ….

Ich mache weiter wie bisher. Kein Reh, kein Augenaufschlag von unten, keine Spielchen. Und wenn es jemand blöd findet? Auch ok. Dann kommt ein Anderer.

 

 

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Dr. Sexy

Dr. Sexy

Ich musste mir die Weisheitszähne entfernen lassen. Alle vier. Und weil die ziemlich blöd im Kiefer lagen, hat mein Zahnarzt mich an einen Kieferchirurgen überwiesen. Ich habe wirklich nicht viel erwartet: welche Frau erwartet denn bitteschön, dass ihr ein unglaublich gut aussehender Arzt die Zähnchen aus dem Kiefer zieht? Okok, ja … die stille Hoffnung ist da: warum nicht sowas unangenehmes sich ertragbar machen … in Gedanken.

Unser erstes Zusammentreffen verlief ziemlich nüchtern und pragmatisch. Ich lag verschwitzt vom Rad fahren auf dem Behandlungsstuhl und beschäftigte mich hauptsächlich mit dem Gedanken, nicht darauf festzukleben. Dr. Sexy guckte in meinen Mund, guckte auf das Röntgenbild, erklärte mir die Lage meiner Zähne und schickte mich dann zu weiteren 3D-Aufnahmen. Er ist jung, schön und dünn mit einem sehr einnehmenden Lächeln und einer leicht arroganten Ausstrahlung. Er rollt ganz zauberhaft das „r“. Vermutlich ist seine Freundin eine vielbeschäftigte Architektin, die trotzdem noch genügend Zeit nach Feierabend zum Yoga und Pilates findet. Sie hat lange, furchtbar glatt-glänzende im Wind wehende, blonde Haare, lange Wimpern und einen perfekt trainierten Körper (#naturalbeauty). Abends gibt es dann selbstgemachtes Pesto aus dem Thermomix mit glutenfreien Nudeln. Bis auf die Haarfarbe und die Nudeln bin ich weit von allem entfernt. Immerhin habe ich eine blühende Fantasie.

Viele Tage, surrende High-End-Geräte und Lilien in Bodenvasen später (warum zur Hölle sind manche Praxen ausgestattet wie schöner Wohnen in Blankenese?) war der Tag der OP. Ich habe nicht viel mitbekommen, der Vollnarkose sei Dank.

Später in der Woche benötigte ich eine neue Krankmeldung und auch wenn ich hamsterbäckchenmäßig nicht sehr schön und eher wie der Kugelfisch aus Findet Demo ausgesehen habe (und mich auch alles andere als gut gefühlt habe) … ich habe es mit Lidstrich und hohen Schühchen versucht zu kompensieren. Hat funktioniert. Dr. Sexy und ich hatten unser erstes Gespräch ohne das ausschließliche Thema Weisheitszähne. Ein bißchen muss ich ja auch vermerken: ich weiß wie es geht. Zuerst: wecke seinen männlichen Beschützerinstinkt: „Ich hatte wirklich dolle Schmerzen die letzten Tage.“. Bewundere ihn, Stufe 1: „Sie haben ja einen wirklich außergewöhnlichen Job, Dr. Sexy.„. Bewunderung Stufe 2: „Ich habe das ganze Wochenende darüber nachgedacht.„(Randnotiz: Um ehrlich zu sein, hatte ich keine Gelegenheit an etwas anderes als mich, meine Schmerzen und die nächste Ibu zu denken.) Weitergehendes Interesse vermelden: „Warum haben Sie sich denn für die Kieferchirurgie entschieden?“ Noch ein bißchen Smalltalk und das dann erstmal beruhigt so stehen lassen. Drei Tage später muss ich sowieso wieder zum Fäden ziehen in die Praxis.

Nächste Outfit-Stufe: kurzer Rock und hohe Booties. Ich habe seine Blicke gespürt (und gesehen). Nachdem die Fäden raus, die Arzthelferinnen abgewieselt sind und er die Tür extra nochmal geschlossen hat, standen wir etwas unschlüssig voreinander. Und somit spielte sich folgender Dialog ab:

Me: „Ist die Behandlung jetzt abgeschlossen? Oder muss ich nochmal wiederkommen?

He: „Wenn Sie keine Beschwerden mehr haben und sich nichts entzündet…

Me: „Hm, dann sehen wir uns ja gar nicht mehr?

He (zögernd): „Ja.

Me: „Dann muss ich wohl jetzt damit anfangen, mir nach und nach meine gesunden Zähne ziehen zu lassen, damit du ähem Sie dann Implantat für Implantat einsetzen können.

He (rechnet und lacht): „Das würde dann 28 Monate dauern…

Me: „Oder wir machen es einfacher und wir gehen einfach einen Kaffee trinken?

He (zögert, lächelt): „…“

Me: „Oder dürfen Sie nicht, Arzt und Patientin und so?

He: „Nein, ich glaube meine Freundin würde das nicht so gut finden.

Me: „Das verstehe ich natürlich. Schönen Feierabend.

Und erhobenen Hauptes verließ ich die Praxis. Ein bißchen traurig bin ich aber schon. Ich habe uns echt schon zusammen beim Segeln auf der Alster gesehen (habe gehört, das machen alle Ärzte in Hamburg so?). Gut, dass ich mich getraut habe, ihn zu fragen. Die Freude darüber ist größer, als sein Korb.

Ich habe ja auch noch einen schönen Kieferorthopäden. Bei dem bringe ich dann genau den gleichen Spruch.

Toyboy

Toyboy

Ich suche mir jetzt einen Toyboy, das ist der Plan. Jede Frau mit Single-Status sollte einen haben. Einen jüngeren, gutaussehenden, sexy Boy mit seinem Toy, der auf Abruf bereit steht (die Zweideutigkeit meiner Wortwahl ist mir durchaus bewusst …).

Gefunden ist schnell einer, good old Tinder: immer da, wenn ich es brauche. Heinz-Günther ist 29, also schon mal ein paar Jährchen jünger als ich. Vielbeschäftigt ist er auch, Werber. Entweder Arbeit oder feiern. Das passt ganz gut, dann erwartet er nicht, dass ich ihm am Ende des Tages ein feines Risotto koche (wobei ich echt gerne koche). Keine Zeit, keine Zeit. Wie das weiße Kaninchen bei Alice im Wunderland. So ungefähr wirkt er auch: immer in Bewegung, angespannt, unentspannt, von irgendetwas getrieben. Er kommt aus einer langen Beziehung, das habe ich erst nach einer Weile rausgefunden. Und seine Mission ist nun, Sex zu haben. Viel Sex. Und aufregenden Sex. Dadurch schien ihm das Toyboy-Ding auch ganz gut zu gefallen. Ich interessierte mich nicht wahnsinnig für ihn. Phasenweise war er echt platt und langweilig. Vielmehr kommunizierte ich aus Höflichkeit. Ja, die alte Dynamik. Wir kennen sie alle. Angetriggert war ich ab dem Moment, als er mir auf meine Date-Frage einen Korb gab. Whaaaaat? Jetzt erst recht, so nicht mein Freund …

Irgendwie kam es dann doch zu einem Treffen: wir redeten, knutschten, machten rum. Und es fühlte sich ziemlich vertraut und gut an. Nach mehr. Dann ist er gegangen. Am nächsten Tag hat er von Emotionalität geredet. Und das er das nicht möchte, sich verrennen und verlieben. Herrje: eigentlich bin ich doch die personifizierte Emotion? Aber das kam selbst für mich überraschend. Soweit war ich noch lange nicht. Er scheinbar schon, hypothetisch erstmal die nächsten Wochen durchdacht (das ist doch mein Part: beim ersten Date überlegen, ob er samstags wohl freiwillig den Rasen mähen würde). Seine Mission „Sex ohne Gefühle“ war in Gefahr. Also erstmal beim Gegenüber alle Erwartungen minimieren, sich selbst schlecht verkaufen („schlechte Partie“: wer redet denn überhaupt von Partie?). Ziemlich durchschaubar schwankte er zwischen Nähe und distanzierter Unverbindlichkeit. Das Sex-Ding war sein Schutzschild, was er bei Bedarf immer wieder hochhalten konnte. Wie ein kleiner tapferer Ritter, immer sein eigentliches Ziel im Auge. Das strengte mich an. Sobald unsere Gesprächsthemen tiefer wurden, schwups, Schutzschild „welche Farbe hat eigentlich dein Höschen heute“. Unglücklicherweise wurde mein Sozialpädagogen-Ich geweckt. Er begann, mich zu interessieren. Ich habe ein Faible für verlorene Seelen: denen kann ich Risotto kochen und übers Köpfchen streicheln und fühle mich selbst dadurch besser. Vor allem wollte ich wissen, warum er so war. Und ich versuchte es. Aber nur einen kurzen Moment.

Denn ich möchte ich niemanden hinterher laufen. Auch nicht, um ihn zu retten. Das raubt mir Energie, die ich für andere, erfüllendere Dinge nutzen kann. Denn der Kontakt zu ihm war alles andere als erfüllend. Leider, leider kein Toy-Boy-Happy-End.

Ich wische dann mal weiter.

 

Konfetti, soviel Konfetti: Coldplay-Konzert

Konfetti, soviel Konfetti: Coldplay-Konzert

Nobody said it was easy
It’s such a shame for us to part
Nobody said it was easy
No one ever said it would be this hard
Oh, take me back to the start

Coldplay „The Scientist“

Wir waren in Hannover. Bei Coldplay. Lupus, sein Kind und ich. Ich habe mich wie Bolle gefreut, und dass obwohl ich mit Coldplay BISHER nicht so viel anfangen konnte. Ja, es war schrecklich normal alles. Und doch besonders. Der Abend war besonders. Das Konzert. Wir drei. Unsere Knicklichter – und Leuchte-Luftballon-Ausstattung. Wir haben ausgesehen wie geschmückte Zirkusponys. Beim ersten Lied, stand mir schon das Pipi in den Augen. Alles nur wegen des Regenbogen-Konfettis und den blinkenden Armbändchen, das jeder am Eingang bekommen hatte. Mir sind die Tränchen gelaufen. Einfach weil es so schön und überwältigend war. Bei mir geht das schnell. Und schwups ist Land unter. Wir haben gelacht, gestaunt, getanzt, geklatscht, gehüpft, geschwiegen, gelauscht. Wir waren ausgelassen. Ich war ausgelassen.

Bis zum „wer-schläft-wo-Thema“, da war die Ausgelassenheit für einen kurzen Moment weg. Bei mir. Wir haben in getrennten Betten übernachtet. Lupus und ich. Er wollte es so. Und das respektiere ich. Ich kann es sehr verstehen, aber trotzdem verletzt es mich. Es gehört irgendwie zu uns und ich fühle mich abgewiesen und ungewollt. Weil auf einmal ist da jemand, dessen Herz wichtiger ist als meines. Oder ist es einfach nur so, dass Lupus es für SEIN Herz macht? Weil er nicht riskieren will, die Frau zu verlieren?

Seine Freundin. Wenn ich es nicht wüsste, ich würde nichts bemerken. Sie ist unsichtbar. Kaum existent. Sie ist kein Thema in unseren Gesprächen. Wenn nur nebenbei und kurz in einem anderen Zusammenhang erwähnt. Aber das macht sie für mich so bedrohlich. Wir versuchen Normalität, die manchmal krampfig ist. Unser Körperkontakt. Manchmal fühle ich das schlechte Gewissen bei Lupus, ganz leicht und kaum wahrnehmbar. Sie ist immer da. Zwischen uns. Wenn ich vertrauensvoll kurz meine Hand auf seinen Oberschenkel lege. Oder den Kopf an seiner Schulter halte. Es gibt eine Veränderung. Sie ist real. Lupus ist in einer Beziehung. Aber wir versuchen beide, sie kaum wahrnehmbar zu halten. Er vielleicht sogar mehr als ich. In solchen nahen Momenten denke ich daran. Und doch genieße ich diese Momente und speichere sie in meinem Herz: wenn das Kind meine Hand und seine Hand hält. Und ich diese Verbundenheit spüre.

Andererseits: wo ist das Problem?

 

Der Ex und die Freundschaft

Der Ex und die Freundschaft

Ich finde ich mache mich ganz gut mometan: Ruhe und Gelassenheit, Dinge so sein zu lassen, wie sie sind. Nicht mehr kämpfen. Um Aufmerksamkeit, um Liebe und Zuwendung. Buddha ist calling. Ich sollte mich öfter mal selbst loben und aufs Schülterchen klopfen. Mich einfach mal selbst mit roten Herzchen aus der Gießkanne überschütten. Denn die Situation ist schon schwierig. Auf allen Ebenen. Vor allem emotional.

Mein Ex hat ne neue Freundin. Das sollte normalerweise nicht so schlimm sein. Nach zwei Jahren. Nur leider ist da noch immer eine sehr große Verbundenheit, verknüpft mit Emotionen. Das macht es kompliziert.

Etwas beruhigt es mich, zu wissen, dass es ihm genauso geht. Emotional. Und das er mich nicht einfach wegwischen will. Aber sind wir mal ehrlich: welche Freundin (oder welcher Freund, Partner, was auch immer) kommt damit klar, wenn der Freund erzählt, er habe noch viel Kontakt zu seiner Ex. Rein freundschaftlich versteht sich. Klar. Das da eine große Nähe ist und das die auch bitteschön so bleiben soll. Weil eigentlich ist die Ex ja die beste Freundin… Da kommen ganz automatisch solche essentiellen Fragen auf wie: „Wir können nicht mehr in einem Bett schlafen, oder?“ Bei mir. Aber er scheint auch darüber nachzudenken. Ist ja auch was organisatorisches, wenn man nicht so sehr nah beieinander wohnt und auch mal ein Weinchen trinken möchte. Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Wir bemühen uns beide sehr, die Situation zu meistern, die Gefühle. Nicht zuviel drüber reden und alles problematisieren. Einfach geduldig sein und gucken, wie wir uns wieder neu zusammenruckeln, Er und ich. Ich bin da leider nicht so gut drin: im geduldig sein und abwarten können. War ich noch nie. Aber gerade im Moment bin sind meine weiblichen Empathie-Antennen sehr weit ausgefahren und nehmen ALLES auf. Wenn es das allein wäre, naja, dann wäre ja alles chico. Aber ich neige dann, vorsichtig ausgedrückt, zu gefühligen Überinterpretationen und haarsträubenden Schlussfolgerungen. Kleines Beispiel? Wenn ich gerade in einer „ich-möchte-über-unsere-Situation-reden-und-dir-sagen-wie-ich-mich-fühle“-Stimmung bin und von ihm nicht viel mehr als „Wird das jetzt wieder eine Problem-Diskussion? Da haben wir doch schon drüber geredet, Schnikki.“ kommt, dann geht sofort mein inneres Warnsystem an: „Siehst du Nini, er hat keine Lust mit dir zu reden. Du nervst ihn. Lass es einfach. Er will lieber mit seiner Freundin reden, nicht mit dir. Auf jeden Fall mag er dich viel weniger, wenn er sowas sagt. Und er möchte dich dann bestimmt auch nicht mehr sehen …. (und… so…. weiter … und … so…… weiter ….).“ Zum Glück, kann ich diese inneren Kritiker ganz gut zum Schweigen bringen, denn er redet Quatsch.

Und jetzt übe ich mich mal im gelassen Geduldig sein und konzentriere mich auf mich. Es geht ja immer weiter.

 

Es ist, wie es ist … (sagt der Dalai Lama)

Es ist, wie es ist … (sagt der Dalai Lama)

Ich habe mir nach einem Arztbesuch mit daraufolgender Krankschreibung drei Bücher über Buddhismus gekauft. Warum? Keine Ahnung. Eingebung? Zuviel Zeit? Ich weiß nicht. Zeit hatte ich den letzten Tagen jedenfalls genug. Weisheit, Gelassenheit und Ruhe haben sich bis jetzt aber eher mäßig eingestellt. . Und wie Buddha sehe ich auch noch nicht aus. Zum Glück.

Aber zu meiner eigenen Überraschung werde ich tatsächlich etwas entspannter. Entspannter in Bezug auf Lupus, der jetzt ne Freundin hat. Es fällt mir aus bekannten Gründen nach wie vor schwer mich daran zu gewöhnen und ohne schmerzendes Säure-Herz und irrationale Ängste damit umzugehen.

Und jetzt kommt der Dalai Lama ins Spiel: Der schreibt nämlich, dass ich getrieben von Befürchtungen und Erwartungen bin. Von Erwartungen und Wünschen an Lupus und das diese nicht eintreffen. Wie recht er hat. Ich bin voller Sorgen, was die Zukunft betrifft. Wie oft sehen wir uns noch? Darf ich seine Kinder bald nicht mehr sehen? Wird er mich vergessen? Wie wichtig bin ich ihm? Ist die Frau wichtiger als ich? Gibt er mir meinen Schlüssel zurück? Gehen wir zusammen auf das Müssen-alle-mit- Festival? Oder will er da lieber mit „ihr“ hin? Und das sind noch die lieb-netten Gedanken… die restlichen bleiben in meinem Kopf. 

Ich gebe es ja nur ungern zu, aber all diese Gedankengänge in meinem kleinen Nini-Hirn sind sehr, sehr egoistisch und selbstbezogen. Alles andere als Buddha-like-gelassen. Klar; eine leise Stimme flüstert mir ständig zu, dass ich mich für ihn freuen soll, ihm das gönnen soll. Würde ich gerne, wenn die Angst nicht so groß wäre, dass sich alles ändert und ich ihn verliere. Und auch dazu hat der Dalai Lama die passende Antwort: „Wenn wir eine Situation so akzeptieren müssen wie sie ist (das muss ich in der Tat), warum sich dann Gedanken und Sorgen machen? Das macht keinen Sinn und alles nur noch schlimmer.“

Und wie immer, am Ende hilft nur noch atmen. Das wusste ich aber schon vorm Dalai Lama. Aber es hilft, sich das nochmal vor Augen zu führen: immer, wenn ich in sorgenvollen Gedanken an die Zukunft bin, konzentriere ich auf meine Ein -und Ausatmung. Das klappt tatsächlich erstaunlich gut. Und wenn ich mir jetzt noch so lustige, bunte Fähnchen in den Garten hänge, ist es mit der Erleuchtung bestimmt auch nicht mehr weit. Namaste …

Wenn der Ex eine neue Freundin hat …

Wenn der Ex eine neue Freundin hat …

Ja, es ist soweit. Ich wusste, dass es passiert und doch fühle ich mich nicht vorbereitet. Plopp: mein Herz fällt in einen Eimer mit Säure. Es fühlt sich an wie ein Ende. Ein Ende, an dem es keine Hoffnung mehr gibt. Denn am Ende wird das Herz von der Säure zerfressen.

Ich hatte gehofft. Sehr lange. Gefühlt ein halbes Leben. Vor zwei Jahren hat er sich getrennt. Ich weiß bis heute nicht warum. Das macht es mir vielleicht auch so schwer. Wir blieben in Kontakt, und der Kontakt wurde wieder intensiver. Ein Jahr. Ein Jahr voller besonderer und glücklicher Momente. Aber für ihn war es nur Freundschaft. Für mich nicht. Ich liebe ihn. Als Mensch, als Vertrauten. Noch immer. Und ich hatte immer diese verdammte Hoffnung: das er sieht, wie gut es mit uns sein könnte. Seine Kinder, ich mit seinen Kindern. Er mit mir. Das wir glücklich sein könnten. Aber er hat es nicht gesehen und vor allem nicht gefühlt. Er hat jemand anderes gesucht. Und gefunden.

Und so ist es nun. Ich kämpfe gegen die Angst, ihn verlieren zu können. Die Angst, ihm irgendwann nicht mehr wichtig zu sein, das ich Stück für Stück, ganz unbemerkt aus seinem Leben verschwinde.

Er gibt sein Bestes mir diese Ängste zu nehmen. Aber es sind nur Worte. „Ich lasse dich nicht fallen …“ hat er gesagt. Ich will es so gerne glauben.

Ich habe mich die ganzen Monate so mit dieser Hoffnung identifiziert, mit dem Schmerz, mit dem Kampf. Und nun wird es Zeit. Zeit nach vorne zu schauen. Den Anker lichte und los segle. Mit meinem kaputten Herz und ohne ihn.