Konfetti, soviel Konfetti: Coldplay-Konzert

Konfetti, soviel Konfetti: Coldplay-Konzert

Nobody said it was easy
It’s such a shame for us to part
Nobody said it was easy
No one ever said it would be this hard
Oh, take me back to the start

Coldplay „The Scientist“

Wir waren in Hannover. Bei Coldplay. Lupus, sein Kind und ich. Ich habe mich wie Bolle gefreut, und dass obwohl ich mit Coldplay BISHER nicht so viel anfangen konnte. Ja, es war schrecklich normal alles. Und doch besonders. Der Abend war besonders. Das Konzert. Wir drei. Unsere Knicklichter – und Leuchte-Luftballon-Ausstattung. Wir haben ausgesehen wie geschmückte Zirkusponys. Beim ersten Lied, stand mir schon das Pipi in den Augen. Alles nur wegen des Regenbogen-Konfettis und den blinkenden Armbändchen, das jeder am Eingang bekommen hatte. Mir sind die Tränchen gelaufen. Einfach weil es so schön und überwältigend war. Bei mir geht das schnell. Und schwups ist Land unter. Wir haben gelacht, gestaunt, getanzt, geklatscht, gehüpft, geschwiegen, gelauscht. Wir waren ausgelassen. Ich war ausgelassen.

Bis zum „wer-schläft-wo-Thema“, da war die Ausgelassenheit für einen kurzen Moment weg. Bei mir. Wir haben in getrennten Betten übernachtet. Lupus und ich. Er wollte es so. Und das respektiere ich. Ich kann es sehr verstehen, aber trotzdem verletzt es mich. Es gehört irgendwie zu uns und ich fühle mich abgewiesen und ungewollt. Weil auf einmal ist da jemand, dessen Herz wichtiger ist als meines. Oder ist es einfach nur so, dass Lupus es für SEIN Herz macht? Weil er nicht riskieren will, die Frau zu verlieren?

Seine Freundin. Wenn ich es nicht wüsste, ich würde nichts bemerken. Sie ist unsichtbar. Kaum existent. Sie ist kein Thema in unseren Gesprächen. Wenn nur nebenbei und kurz in einem anderen Zusammenhang erwähnt. Aber das macht sie für mich so bedrohlich. Wir versuchen Normalität, die manchmal krampfig ist. Unser Körperkontakt. Manchmal fühle ich das schlechte Gewissen bei Lupus, ganz leicht und kaum wahrnehmbar. Sie ist immer da. Zwischen uns. Wenn ich vertrauensvoll kurz meine Hand auf seinen Oberschenkel lege. Oder den Kopf an seiner Schulter halte. Es gibt eine Veränderung. Sie ist real. Lupus ist in einer Beziehung. Aber wir versuchen beide, sie kaum wahrnehmbar zu halten. Er vielleicht sogar mehr als ich. In solchen nahen Momenten denke ich daran. Und doch genieße ich diese Momente und speichere sie in meinem Herz: wenn das Kind meine Hand und seine Hand hält. Und ich diese Verbundenheit spüre.

Andererseits: wo ist das Problem?

 

Der Ex und die Freundschaft

Der Ex und die Freundschaft

Ich finde ich mache mich ganz gut mometan: Ruhe und Gelassenheit, Dinge so sein zu lassen, wie sie sind. Nicht mehr kämpfen. Um Aufmerksamkeit, um Liebe und Zuwendung. Buddha ist calling. Ich sollte mich öfter mal selbst loben und aufs Schülterchen klopfen. Mich einfach mal selbst mit roten Herzchen aus der Gießkanne überschütten. Denn die Situation ist schon schwierig. Auf allen Ebenen. Vor allem emotional.

Mein Ex hat ne neue Freundin. Das sollte normalerweise nicht so schlimm sein. Nach zwei Jahren. Nur leider ist da noch immer eine sehr große Verbundenheit, verknüpft mit Emotionen. Das macht es kompliziert.

Etwas beruhigt es mich, zu wissen, dass es ihm genauso geht. Emotional. Und das er mich nicht einfach wegwischen will. Aber sind wir mal ehrlich: welche Freundin (oder welcher Freund, Partner, was auch immer) kommt damit klar, wenn der Freund erzählt, er habe noch viel Kontakt zu seiner Ex. Rein freundschaftlich versteht sich. Klar. Das da eine große Nähe ist und das die auch bitteschön so bleiben soll. Weil eigentlich ist die Ex ja die beste Freundin… Da kommen ganz automatisch solche essentiellen Fragen auf wie: „Wir können nicht mehr in einem Bett schlafen, oder?“ Bei mir. Aber er scheint auch darüber nachzudenken. Ist ja auch was organisatorisches, wenn man nicht so sehr nah beieinander wohnt und auch mal ein Weinchen trinken möchte. Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Wir bemühen uns beide sehr, die Situation zu meistern, die Gefühle. Nicht zuviel drüber reden und alles problematisieren. Einfach geduldig sein und gucken, wie wir uns wieder neu zusammenruckeln, Er und ich. Ich bin da leider nicht so gut drin: im geduldig sein und abwarten können. War ich noch nie. Aber gerade im Moment bin sind meine weiblichen Empathie-Antennen sehr weit ausgefahren und nehmen ALLES auf. Wenn es das allein wäre, naja, dann wäre ja alles chico. Aber ich neige dann, vorsichtig ausgedrückt, zu gefühligen Überinterpretationen und haarsträubenden Schlussfolgerungen. Kleines Beispiel? Wenn ich gerade in einer „ich-möchte-über-unsere-Situation-reden-und-dir-sagen-wie-ich-mich-fühle“-Stimmung bin und von ihm nicht viel mehr als „Wird das jetzt wieder eine Problem-Diskussion? Da haben wir doch schon drüber geredet, Schnikki.“ kommt, dann geht sofort mein inneres Warnsystem an: „Siehst du Nini, er hat keine Lust mit dir zu reden. Du nervst ihn. Lass es einfach. Er will lieber mit seiner Freundin reden, nicht mit dir. Auf jeden Fall mag er dich viel weniger, wenn er sowas sagt. Und er möchte dich dann bestimmt auch nicht mehr sehen …. (und… so…. weiter … und … so…… weiter ….).“ Zum Glück, kann ich diese inneren Kritiker ganz gut zum Schweigen bringen, denn er redet Quatsch.

Und jetzt übe ich mich mal im gelassen Geduldig sein und konzentriere mich auf mich. Es geht ja immer weiter.

 

Es ist, wie es ist … (sagt der Dalai Lama)

Es ist, wie es ist … (sagt der Dalai Lama)

Ich habe mir nach einem Arztbesuch mit daraufolgender Krankschreibung drei Bücher über Buddhismus gekauft. Warum? Keine Ahnung. Eingebung? Zuviel Zeit? Ich weiß nicht. Zeit hatte ich den letzten Tagen jedenfalls genug. Weisheit, Gelassenheit und Ruhe haben sich bis jetzt aber eher mäßig eingestellt. . Und wie Buddha sehe ich auch noch nicht aus. Zum Glück.

Aber zu meiner eigenen Überraschung werde ich tatsächlich etwas entspannter. Entspannter in Bezug auf Lupus, der jetzt ne Freundin hat. Es fällt mir aus bekannten Gründen nach wie vor schwer mich daran zu gewöhnen und ohne schmerzendes Säure-Herz und irrationale Ängste damit umzugehen.

Und jetzt kommt der Dalai Lama ins Spiel: Der schreibt nämlich, dass ich getrieben von Befürchtungen und Erwartungen bin. Von Erwartungen und Wünschen an Lupus und das diese nicht eintreffen. Wie recht er hat. Ich bin voller Sorgen, was die Zukunft betrifft. Wie oft sehen wir uns noch? Darf ich seine Kinder bald nicht mehr sehen? Wird er mich vergessen? Wie wichtig bin ich ihm? Ist die Frau wichtiger als ich? Gibt er mir meinen Schlüssel zurück? Gehen wir zusammen auf das Müssen-alle-mit- Festival? Oder will er da lieber mit „ihr“ hin? Und das sind noch die lieb-netten Gedanken… die restlichen bleiben in meinem Kopf. 

Ich gebe es ja nur ungern zu, aber all diese Gedankengänge in meinem kleinen Nini-Hirn sind sehr, sehr egoistisch und selbstbezogen. Alles andere als Buddha-like-gelassen. Klar; eine leise Stimme flüstert mir ständig zu, dass ich mich für ihn freuen soll, ihm das gönnen soll. Würde ich gerne, wenn die Angst nicht so groß wäre, dass sich alles ändert und ich ihn verliere. Und auch dazu hat der Dalai Lama die passende Antwort: „Wenn wir eine Situation so akzeptieren müssen wie sie ist (das muss ich in der Tat), warum sich dann Gedanken und Sorgen machen? Das macht keinen Sinn und alles nur noch schlimmer.“

Und wie immer, am Ende hilft nur noch atmen. Das wusste ich aber schon vorm Dalai Lama. Aber es hilft, sich das nochmal vor Augen zu führen: immer, wenn ich in sorgenvollen Gedanken an die Zukunft bin, konzentriere ich auf meine Ein -und Ausatmung. Das klappt tatsächlich erstaunlich gut. Und wenn ich mir jetzt noch so lustige, bunte Fähnchen in den Garten hänge, ist es mit der Erleuchtung bestimmt auch nicht mehr weit. Namaste …

Wenn der Ex eine neue Freundin hat …

Wenn der Ex eine neue Freundin hat …

Ja, es ist soweit. Ich wusste, dass es passiert und doch fühle ich mich nicht vorbereitet. Plopp: mein Herz fällt in einen Eimer mit Säure. Es fühlt sich an wie ein Ende. Ein Ende, an dem es keine Hoffnung mehr gibt. Denn am Ende wird das Herz von der Säure zerfressen.

Ich hatte gehofft. Sehr lange. Gefühlt ein halbes Leben. Vor zwei Jahren hat er sich getrennt. Ich weiß bis heute nicht warum. Das macht es mir vielleicht auch so schwer. Wir blieben in Kontakt, und der Kontakt wurde wieder intensiver. Ein Jahr. Ein Jahr voller besonderer und glücklicher Momente. Aber für ihn war es nur Freundschaft. Für mich nicht. Ich liebe ihn. Als Mensch, als Vertrauten. Noch immer. Und ich hatte immer diese verdammte Hoffnung: das er sieht, wie gut es mit uns sein könnte. Seine Kinder, ich mit seinen Kindern. Er mit mir. Das wir glücklich sein könnten. Aber er hat es nicht gesehen und vor allem nicht gefühlt. Er hat jemand anderes gesucht. Und gefunden.

Und so ist es nun. Ich kämpfe gegen die Angst, ihn verlieren zu können. Die Angst, ihm irgendwann nicht mehr wichtig zu sein, das ich Stück für Stück, ganz unbemerkt aus seinem Leben verschwinde.

Er gibt sein Bestes mir diese Ängste zu nehmen. Aber es sind nur Worte. „Ich lasse dich nicht fallen …“ hat er gesagt. Ich will es so gerne glauben.

Ich habe mich die ganzen Monate so mit dieser Hoffnung identifiziert, mit dem Schmerz, mit dem Kampf. Und nun wird es Zeit. Zeit nach vorne zu schauen. Den Anker lichte und los segle. Mit meinem kaputten Herz und ohne ihn.

Ninis Top 16, #2016

Ninis Top 16, #2016

Traditionen sollte man nicht brechen. Letztes Jahr waren es 10 Lieder, schön in Reihenfolge. Nun ist das Jahr 2016 vorbei und es werden 20 Lieder. Ohne Reihenfolge. Eigentlich könnte ich es mir einfach machen und hier meine Spotify-Tophits einfügen. Zack, zack, erledigt. Aber so leicht mache ich es mir nicht. Natürlich nicht. Es gibt ja auch einen Unterschied zwischen der Musik, die ich mag und die Musik, die mich an bestimmte Menschen, oder Orte oder Erlebnisse erinnert, und die deswegen in meiner Liste auftaucht. Ich bin alles andere als eine Musikexpertin (das sollen andere übernehmen), die Auswahl kommt aus meinem Herzchen…

Bosse „Dein Hurra“: als ich das Lied das erste Mal gehört habe, musste ich weinen, so schön fand ich den Text, da geht es um Liebe und Freundschaft und Zuneigung. Und um den Anderen wieder aufbauen, wenn es ihm nicht gut geht.Das macht Lupus bei mir. Wenn meine Welt nur grau ist und ich im Selbstmitleid versinke. Dann kommt er und pustet alle schwarzen Wolken weg.

Von Wegen Lisbeth „Bitch“: Reeperbahnfestival 2016; super Band mit zweifelhaftem Modegeschmack. Dafür können sie umso besser ihre Körper im Takt der Musik hin und her bewegen und mögen scheinbar Glockenspiele.

Mumford & Sons „Snake Eyes“: wahrscheinlich DAS Konzert des Jahres für mich, obwohl ich die Band vorher gar nicht richtig kannte. Lupus hat mich mitgeschleift und ich habe es nicht bereut.

Fatoni fest. Juse Ju „Ich habe keine Vorurteile“: „Du hast deinen Kopf rasiert und ein Tribal tattoowiert – ich halte dich für einen Spasten“; muss ich noch mehr schreiben?

BOY „New York“: wieder Reeperbahnfestival, BOY im Michel: ich habe nichts gesehen von den beiden Sängerinnen, dafür umso mehr von der Kirche. Bei diesem Lied, sind mir ein paar Tränchen gelaufen, so berührt war ich.

Fraktus „Freunde sind friends“: Müssen alle mit -Festival in Stade und lange nicht mehr so gelacht, Heinz Strunk, Rock Schamoni und Jaques Palminger in roten Overalls und weirden Kopfbedeckungen, höchst unterhaltsam und irgendwie auch besser als die groß angekündigten, sich sehr ernst nehmenden Tocotronic-Boys.

Queen „Don’t stop me now“: ja, ich jogge. Manchmal. Wenn es nicht über 20 Grad ist. Und nicht unter 5. Aber ich jogge. Und dabei höre ich dieses Lied, dann bin ich schneller zu wieder Hause. Meine Lieblingszeile: „I’m a sexmachine ready to Reload“, vor allem, wenn ich mit hummerrotem Kopf durch die Kleingärten laufe.

Schnipo Schranke „Pisse“: Wieso muss ich da an einen verflossenen Tinderello denken? Hm.

Herr Trüstedt & Herr Wiedermann „Lms/Pimplegionär“: Tip von Christschiaaan, schlimmer frauenverachtender Text (Cover von Kool Savas, meint der das echt ernst?) mit engelsgleicher Stimme vorgetragen. Die Feministinnen unter uns schreien auf. Hat er wirklich Nutte gerappt?

POL1Z1STENS0HN a.k.a. Jan Böhmermann „Blasser dünner Jungs macht sein Job“: der Mann des Jahres darf ja wohl nicht fehlen.

Beginner „Es war einmal“: sie sind zurück, ein riesen Hype, tolles Video und ne Ode an Hamburg

David Bowie „Space Oddity“: mein Lieblingslied von ihm, und weil er einer von vielen war, die gestorben sind

Dota Kehr „Rennrad“: jeder der was auf sich hält, sollte Rennrad fahren. Und heimlich finde ich Männer auf Rennrädern ja auch etwas sexy. Ich warte ja noch auf den Moment, dass ich dieses Lied beim ersten Date vorsummen kann.

Deichkind „Porzellan und Elefanten“:  Venus und ich Hand in Hand beim Konzert in der Barclaycard Arena. Sie hatte keine Brille auf, hat nicht viel erkennen können. Ich musste ihr erklären, was auf der Bühne so vor sich ging: „Sie haben blinkende Pyramidenhelme auf dem Kopf und tanzen boybandlike.“ Am Ende schienen wir aber wohl doch nicht so recht zusammen zu gehören, Venus und ich.

Annenmaykantereit „Nicht nichts“: „Nichts nichts ohne dich“

Pohlmann „Stark für dich“: Pohlmann habe ich 2016 2x gesehen, einmal auf dem Hanse Song Festival in Stade, und im Zirkuszelt in Hamburg. Besondere Erinnerungen. Mit Lupus und Schneesturm im April. Das bleibt. Und viel mehr.

Ein bißchen bin ich froh, dass das Jahr vorbei ist. Aber die Musik bleibt. Und damit die Momente. Und das beruhigt doch auch irgendwie. Ich freue mich auf 2017. Mit vielen Konzerten, z.B. Coldplay. Lupus hat es mir angepriesen. Open Air. Bisher war ich eher genervt als verliebt in den Sänger. Aber das kann sich ja ändern. In meinem Herz ist viel Platz. Ich erwarte einiges: Luftballons und Glitzer und Konfetti und Knicklichter. Kleine Hundewelpen, die man mit nach Hause nehmen darf. Wahlweise Entenküken. Die ganz großen Emotionen also. Lupus Tochter kommt mit. Dann wird es sowieso gut. Auch ohne Hündchen und Entchen.

 

Mund oder Titten? Tinder-Dates und seine Abgründe

Mund oder Titten? Tinder-Dates und seine Abgründe

Neulich mal wieder ein Date gehabt. Es war lange still um mich. Es ist einfach nicht viel passiert. Nicht viel erwähnenswertes. Und ja, ich möchte hier auch nicht alles breit trampeln. Aber folgende Story schon:

Tinder. Der Abend begann ganz vielversprechend. Da ein Bier, hier einen Minze-Tee. Ganz gute Gespräche über dies und das und jenes. Er sieht ganz gut aus, Typ Surfer-Boy in etwas zu klein geraten. Wir wissen alle wie so ein Mann aussieht: blonde, ungekämmte Haare, Kapuzenpulli und Sneakers. Soweit so oberflächlich. War mir ganz recht. Ich hatte sowieso keine Lust auf Tiefe und Selbstoffenbarung. Das war mir nach so einer langen Dating-Abstinez zu viel. Am allerwenigsten hatte ich Lust auf Sex-Gespräche. Er hat es trotzdem versucht. Auf ne gekonnt plumpe, unangemessene Art: „Ach, putzen solltest du mal wieder in deiner Wohnung? Da kannst du schon mal in meiner anfangen, aber vergiss nicht, dich danach auszuziehen und ins Bett zu legen.“ Ist das schon sexistisch? Ich glaube ja, ich habe trotzdem gelächelt, in der vagen Hoffnung, dass er die Fresse hält. Hat auch leider erst nach einer Weile kurz  funktioniert. Bis zu dem Punkt, an dem ich Hunger hatte und er mich ganz gentlemanlike uneigennützig begleitet hat. Aber natürlich nicht ohne mir vorher mitzuteilen, dass er dann auch zeitnah gerne nach Hause auf die Couch wolle. Aha. „Ohne mich.“ dachte und sagte ich dann auch.

Ich esse also. Den Löffel mit Kartoffel-Kumpir-Käse-Salat-Mischung in der Hand, dass Schnäbelchen schon fast aufgesperrt, fragt er mich allen Ernstes: „Wo soll ich dir hinschauen, du kannst es dir aussuchen: auf deinen Mund oder deine Titten?“ Ich dachte ich habe mich verhört. Hat er echt Titten gesagt? Ich huste, das Kartöffelchen bleibt mir im Hals stecken. Wie bitte? Spätestens jetzt sind wir beim Sexismus angekommen. Anstatt  würdevoll aufzustehen, das Kumpir-Ding mitzunehmen und es woanders zu essen, bin ich leider sitzen geblieben. Erstarrt. Wie eine tiefgefrorene Regenbogenforelle. Ich konnte noch nicht mal lächeln. Habe dann aber erfolgreich das Thema wechseln können. Immerhin. Kartoffel war irgendwann verputzt, zum Glück. Es ging zur Bushaltestelle. Ich musste fahren, er hatte es ganz nah um die Ecke. Dann spielte sich folgender Dialog ab:

Er: „Waaaaas? Dein Bus fährt erst in 15 Minuten?“

Ich: „Ist ja nicht so lang.“

Er: „Sag mal, wäre es sehr doll gegen die gesellschaftlichen Konventionen, wenn ich jetzt nicht mit dir warte? Ich möchte echt auf meine Couch und Mails schreiben.“

Ich (ernsthaft verwirrt): „Ähhhh (zweiundzwanzig, dreiundzwanzig …) …. ja, geh ruhig. Tschüß.“

Er: „Ja, ciao.“

Kurze Umarmung. Er verlässt den Ort des Geschehens.

Ja. Ich war etwas erleichtert, als er weg war. Aber auch wütend und traurig. Was ein Vollidiot. Oder sehe ich das zu eng? Ein Typ, der seine Bedürfnisse himmelhoch über meine stellt. Klar, kann ich verdammt noch mal alleine auf den Bus warten. Aber darum gehts nicht. Es geht um die Geste, die Höflichkeit, den Respekt. Selbst, wenn er mich doof gefunden hätte, hätte er warten sollen.15 Minuten. Kein Regen, kein Frost. Und nur 15 Minuten. Das war nicht zu viel verlangt. Ein anständiger Mann hätte Wert darauf gelegt, dass sein Date wohlbehalten nach Hause kommt. Hach ja, Lupus. Unser erstes Date. Er hat mich mit einem Riesen Umweg nach Hause gefahren und ist nicht mit rein. Alte Schule und so. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich frage mich tatsächlich was da los ist. Mit den Männern? Dem Männerbild? Ist es männlich und selbstbestimmt, wenn man egoistisch seinem Bedürfnis nach geht und die Frau einfach stehen lässt? Ich weiß es nicht. Sicher sind nicht alle Männer so. Hoffentlich.

Vermutlich war Surfer-Boy einfach frustriert, dass ich auf seine plumpen Anmachen nicht eingegangen bin und  nicht vor dem schnellen, unverbindlichen Sex noch schnell seine Wohnung putzen wollte (während er auf der Couch sitzt versteht sich). Aber soviel Verständnis ist wahrscheinlich noch zu nett von mir. Wahrscheinlich ist er einfach ein sexistisches Arschloch.

Und jetzt brauch erstmal wieder eine Tinder-Erholungspause.

„Was bin ich für dich?“

„Was bin ich für dich?“

… das hat Lupus mich gefragt. Dank eines sehr neugierig-redseligen-aufdringlichen Festival-Besuchers kam Lupus diese Frage wohl ins Köpfchen.Der hat ihm diesen Floh ins Ohr gesetzt.  Und er war penetrant: „Habt ihr was miteinander? Oder seid ihr Geschwister?“ Er hat nicht locker gelassen: „Wie steht ihr denn jetzt zueinander. Er ist ja wirklich ein heißer Kerl.“ Lupus steht daneben, tut furchtbar unbeteiligt und freut sich. Ich winde mich. Und ich versuche mich galant aus der Affäre zu ziehen. Starte Ablenkungsmanöver und erzähle Geschichten von Bäumen und Blumen, die aus Samenkörnern erwachsen. Klappt nicht. Mist. Der Mann kam noch ein paar mal angetorkelt. Ohne Erfolg. Ich habe ihm nicht gesagt, in welchem Verhältnis Lupus und ich stehen. Jaja, zuviel Erklärerei und so. Irgendwann trollte er sich dann von dannen. Am Ende hätte er es eh nicht verstanden. Aus vielerlei Gründen. Dann lieber Sachen ausdenken, kreativ bin ich ja. Fester Ex-Freund wäre doch eine ganz schöne Schilderung unserer Situation. Fester und bester Ex-Freund. Aber das fiel mir in dem Moment natürlich nicht ein. Wie immer. Schon Amelie in ihrer fabelhaften Welt hatte dieses Problem. Ich wähnte mich also in Sicherheit, lauschte der Musik und genoß die laue Sommernacht. Dann kam Lupus um die Ecke und reißt mich aus meinen Gedanken. Aus dem Hinterhalt. Ganz fiese Nummer. Er guckt und fragt ganz beiläufig:

„Ja, was bin ich denn für dich?“

Zugegeben: es waren ein zwei alkoholische Getränke im Spiel. Bei ihm. Nicht bei mir. Ich musste mich vom Wein vom Vortag erholen. Erst hab ich so getan, als hätte ich die Frage nicht gehört. Jaja, die Musik, Festival, ganz schön laaaaauuut hier. Hat nicht geholfen. Lupus bohrt weiter nach. Ich beginne zu stottern, druckse herum. In meinem Gehirn laufen ja gerade auch eine Menge an Synapsen quer durcheinander. Dann mischt sich noch mein Herz ein, mein Kopf sowieso. Fraktus singen „Freunde sind Frieeeeeends und Frieeeeeeends sind Freunde“. Wie passend, mein Leben, ein unendlicher Soundtrack. Ich druckse weiter: „Da muss ich drüber nachdenken.“ Erstmal Zeit gewinnen. Weiter ablenken. „Ich hole uns mal nen Espresso.“ Am Ende habe ich ihm keine Antwort gegeben. Geben können. In meinem Köpfchen hat es schrecklich gearbeitet die nächsten Tage. Denn irgendwann habe ich mir die Frage selbst gestellt. Aber es ist wohl leichter einem Blinden die schöne Welt der bunten Farben zu erklären, als diese eine Frage zu beantworten. Ich finde keine Worte. Das macht aber nichts. Denn viel interessanter ist nämlich eine ganz andere Frage:

„Lupus, was bin ICH denn für dich?“